Mitte 1973 kam Jessica Iwanson für eine Unterrichtsvertretung nach München. Ihr Unterricht hatte so unglaublichen Zulauf, daß sie sich schon im Frühjahr 1974 mit einem eigenen Studio am Gärtnerplatz selbständig machte und eine eigene Company gründete.Tagsüber wurde geprobt und abends mit Unterrichtstunden die Miete verdient. In nur kurzer Zeit sammelte Jessica Iwanson ein Team von Tänzern und Pädagogen um sich, expandierte und mietete für ihre erste Vorstellung den Zirkus Krone. Ausverkauft!

In den späten 70er Jahren trat sie mit ihrer Company jährlich im Rahmen der städtischen Veranstaltungswochen 'München Kultur' open air am Marienplatz auf. Die Auftritte entwickelten sich zum Kultereignis; 10000 Menschen blockierten vormittags den Marienplatz um sich einen guten Blick auf die Bühne zu sichern.

1979 zog die Schule ins Münchner Westend. Es folgten Vorstellungen im Theater an der Leopoldstraße und in der (alten) Alabamahalle. Eine erste Generation von Ausbildungsschülern sammelte sich um Jessica Iwanson. Darunter die heute in München bekannten Choreographen und Tänzer Micha Purucker, Andreas Abele, Sabine Glenz - aber auch Wally Wolfgruber, heute Dozent in New York, Patrick Delcroix, heute Tänzer und Choreograph am Netherlands Dans Theater, Katie Champion, langjährige Tänzerin bei DV8 und Barbara Kaufmann, bis heute Tänzerin in Pina Bauschs Tanztheater Wuppertal.

Einen Höhepunkt für das breite Münchner Publikum - wie einst bei München Kultur am Marienplatz - bildeten die Eröffnungswochen der internationalen Gartenbauausstellung 1983. Tausende von Zuschauern pilgerten täglich zu den Iwanson-Vorstellungen auf der Seebühne im Westpark.

Zu dieser Zeit trat Stefan Sixt als neuer Lebens- und Arbeitspartner ins Leben von Jessica Iwanson. Die Schule vergrößerte sich, die Studioflächen wurden mehr als verdoppelt und eine Studiobühne eingerichtet und Jessica Iwanson holte neue Dozenten ans Haus: Den Amerikaner Mark Davis, der viele Jahre als Choreograph in München von sich reden machte und schließlich zurück nach New York ging um bei Bill T. Jones zu tanzen. Aber auch die Koreanerin Mina Yoo, die ein gutes Jahrzehnt Graham Technik an der Schule unterrichtete und heute als Leiterin der Akademie in Seoul regelmäßig ehemalige Schüler und Dozenten der Iwanson-Schule nach Korea engagiert: Andreas Abele, Katja Wachter Monica Gomis, und Micha Purucker.

Lehrpläne und Unterrichtsstrukturen verfestigten sich, der Ruf der Schule wurde zusehends international. Immer mehr Schüler aus dem europäischen Ausland entschlossen sich zu einem Studium in München - so daß 1987 eine erneute Erweiterung nötig wurde.

Der radikale Umbruch zeitgenössischer Tanzästhetik Anfang der 90er Jahre brachte zwangsläufig auch eine Erneuerung des Lehrplans mit sich. Die traditionelle Graham-Technik wurde aus dem Lehrplan genommen. Die damit frei gewordene Position des Modern-Dance-Lehrers wurde nicht neu besetzt sondern ein - bis heute aktuelles - zirkulierendes System von Gastdozenten eingeführt. Auf diese Art lernten die Studenten Arbeit und Ästhetik unterschiedlichster renommierter Choreographen und Tänzer kennen. Insbesondere Rui Horta prägte viele Jahrgänge von Absolventen, die er unterrichtete und für die er bei Abschlußaufführungen sein Repertoire einstudierte.

Anfangs noch von Jessica Iwanson entwickelt, entstand unter der Leitung der Iwanson Tänzerin Karren Foster Mitte der 80er Jahre ein eigenständiges Unterrichtssystem für zeitgenössischen Tanz mit Kindern. Mittlerweile leitet Gabi Würf, selbst Iwanson Absolventin, eigenständig die Kinderabteilung und entwickelt das Programm ständig weiter. Hunderte von Tanzpädagogen kommen mittlerweile regelmäßig zu diesen Fortbildungs-Programmen, so daß Kindertanz nach Iwanson heute in ganz Deutschland zu finden ist. 2010 wurde 'Kindertanz nach Iwanson' im Rahmen des städtischen Festivals 'DANCE' einem internationalen Publikum vorgestellt.

Um auch Jugendlichen, die weit ausserhalb Münchens wohnen, die Gelegenheit zu intensivem, modernem Tanztraining zu geben, wurden schon Ende der 80er Jahre die 'Jugendtanztage' ins Leben gerufen: intensive Tanzworkshops im Stile eines Jugendlagers. Diese Initiative hat sich unter dem Titel 'Junger Tanz' mittlerweile zu einem der größten Jugendförderprogramme für zeitgenössischen Tanz in Deutschland entwickelt.

Künstlerisch wandte sich Jessica Iwanson in den 90er Jahren verstärkt der choreographischen Bearbeitung von Naturthemen zu und setzte mit ihren Produktionen (aufgeführt im Gasteig bzw. Akademietheater) immer wieder Akzente der Münchner Tanzgeschichte: 1990 'Nordpol', 1994 'Zugvögel', 1995 'Öknen', 1997 'Snö', 1999 'Andere Orte'. 1997 verfilmte sie für das schwedische Fernsehen unter dem Titel 'Nachtvögel' ihre Bühnenproduktion 'Nighthawks' von 1990. 'Nachtvögel' zählt heute zu den Tanzfilm-Klassikern und wird bis heute immer wieder auf Sendern wie arte oder 3sat ausgestrahlt.

Mit dem - vorläufig - letzten Umzug der Schule 1992 in die heutigen Räume war schließlich der Sprung in die Gegenwart gemacht. Die zwei großen Studiengänge sind auf rund 160 Vollzeitstudenten angewachsen und prägen jetzt das Bild der Schule. Die ehemaligen Absolventen Pia Fossdal und Johannes Härtl betreuen seit mehreren Jahren die Ausbildungsklassen und ihre Vorstellungen. Über die Hälfte der Studenten kommt aus dem Ausland, die meisten aus dem europäischen Umland und aus Skandinavien, aber auch aus weit entfernten Ländern wie Chile, Korea, Japan, Israel, USA, Australien und Neuseeland. Angesichts dieser Internationalisierung wurde der Name der Schule offiziell in "Iwanson International" geändert.

2010 wird Jessica Iwanson für ihr Lebenswerk mit dem Tanzpreis der Landeshauptstadt München ausgezeichnet. Dazu Laudatorin Brigitte von Welser: "In München ist also, nicht nur, aber doch vor allem wegen Jessica Iwanson und der Iwanson-Schule das Genre Tanz sowohl bei den Kreativen wie auch in der Publikumsgunst wieder im Aufwind. Das „System Iwanson“ hat Früchte getragen und kraftvoll Wurzeln geschlagen – der Erfolg des langen Atems, klugen Agierens und einer nicht versiegenden Energie."

 

2013 wird der Choreograph Johannes Härtl Partner und Geschäftsführer bei Iwanson International. Härtl, der selbst die Ausbildung bei Iwanson absolviert hat und sich seit Jahren als Choreograph profiliert, markieret damit den Einstieg in den Generationswechsel um Iwanson International in die nächsten Jahrzehnte zu führen.

Iwanson Schmuckbild
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